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Mykotherapie - Einführung Teil 2

Allgemeines zu Pilzen

Nach dem ich im Mai eine erste Einführung über Vitalpilze geschrieben habe, möchte ich heute im 2. Teil etwas genauer auf das Thema eingehen. Was sind eigentlich Pilze? Kurz gesagt, Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere. Sie bilden eine einheitliche Gruppe unter den so genannten "Eukaryonten", Lebewesen, die einen typischen Zellkern aufweisen. Im Gegensatz zu Pflanzen, denen Pilze lange Zeit zugeordnet wurden, besitzen sie kein Blattgrün (Chlorophyll) und betreiben keine Photosynthese. Der Pilzstoffwechsel basiert vielmehr auf der Chemosynthese. So transformieren sie organische Substanzen einschliesslich Holz durch Enzyme in chemische Verbindungen, die zur Bildung neuer Bodenmaterialien führen.
 

Die Bedeutung der Pilze

Pilze haben in der Natur wichtige Aufgaben zu erfüllen. Sie entgiften den Boden so wie die Algen die Gewässer. Auch sorgen sie dafür, dass Mineralien und Nährstoffe im Boden für die Pflanzen verwertbar werden. Weiterhin zerlegen sie abgestorbene Organismen in ihre Bestandteile, die dann als Nährstoffe wieder in den natürlichen Kreislauf eingehen.
Pilze gehören zu den wenigen Organismen, die Holz zersetzen können. Aus diesem Grunde besitzen Pilze Inhaltsstoffe, die wir in keinem anderen Lebensmittel finden.
Die Bedeutung der Pilze für die Menschen reicht weit zurück. Neben ihrer Funktion als Nahrungsmittel wird die heilende Wirkung von Pilzen schon seit Jahrtausenden in Asien und Nordamerika geschätzt. Aber auch im Alten Ägypten und im Römischen Reich wurden sie in dieser Funktion verwendet. In Zentraleuropa waren die heilenden Kräfte einiger Pilze bis weit ins Mittelalter bekannt, doch ging das Wissen über Speise- und Heilpilze später nahezu verloren.
Welche Bedeutung Pilze einnehmen, wird ganz schnell deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was ein Mangel an Nähr- und Vitalstoffen beim Menschen bewirken kann: das geht zum Beispiel von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche bis hin zu anderen Krankheiten.
In der Mykotherapie beschäftigt man sich überwiegend mit Basidiomyceten (höhere Pilze, Ständerpilze), deren bioaktive Substanzen in ernährungsphysiologischer Hinsicht wichtig sind. Diese Pilze liefern hochwertige Proteinbausteine, einige sogar alle acht für den Menschen essenziellen Aminosäuren. Die Inhaltsstoffe sind dabei günstig kombiniert, so dass eine hohe Bioverfügbarkeit (Verwertbarkeit und Wirksamkeit der Substanzen für den Körper) gewährleistet ist.
 

Zum Pilzaufbau
Pilze bestehen aus drei Teilen: Dem sichtbaren, oberirdischen Fruchtkörper sowie dem in der Nährgrundlage verborgenen Geflecht (Myzel) und den Pilzfäden (Hyphen).


Fruchtkörper
Der oberirdische Fruchtkörper besteht in der Regel aus Hut und Stiel. Einige Ausnahmen haben entweder keinen Hut oder keinen Stil. An der Unterseite des Hutes befinden sich dünne Lamellen oder Röhren. Sie tragen die nur unter dem Mikroskop erkennbaren Sporen, die Fortpflanzungsorgane der Pilze. Der Fruchtköper ist im Vergleich wie der Apfel an einem Apfelbaum.
 
Pilzsporen
Pilzsporen sind vergleichbar mit den Samen von Pflanzen und lösen sich nach der Reife durch Luftbewegung von den Lamellen oder Röhren. Auf einem geeigneten feuchtwarmen Nährboden keimen sie in der Natur aus und bilden so eine neue Pilzkolonie.
 
Myzel
Das Myzel befindet sich unterhalb des Fruchtkörpers in der oberen Schicht der Nährgrundlage. Das Myzel speichert und liefert die Nährstoffe für das spätere Wachstum des Fruchtkörpers. Aus dem Myzel geht der Fruchtkörper hervor. Das Myzel ist im Vergleich wie der Stamm mit seinen Ästen von einem Baum.
 
Hyphen
Hyphen sind mit bloßem Auge nicht erkennbare Geflechte. Sie durchziehen die gesamte Nährgundlage, sind aufgrund ihres hohen Enzymgehalts in der Lage, die Nährstoffe aufzunehmen und transportieren diese auch. Die Hyphen sind im Vergleich wie die Wurzeln eines Baumes.
 
Inhaltsstoffe
Pilze gehören zu den wenigen Organismen, die auch Holz verwerten können. Pilzarten, die auf Holz wachsen, verfügen daher u. a. über einzigartige und wertvolle Inhaltsstoffe, die so in keinem anderen Lebensmittel vorkommen. Allein schon diese Tatsache ist ein Grund, regelmäßig Pilze zu sich zu nehmen.
Der Pilz bildet Enzyme, damit die Hyphen in das Holz bzw. in das Substrat eindringen können, um es dann zu verwerten. Diese Enzyme sind wiederum für die Entgiftung unseres Körpers wichtig.
Pilze sind wahre Vitaminbomben und ein hochwertiger Lieferant für eine Vielzahl von lebenswichtigen Nährstoffen. Neben den Vitaminen B, D und E enthalten sie sehr viele Biovitalstoffe und Mineralien, ausserdem Eiweiß und Kohlenhydrate. Was Pilze zudem so einzigartig macht, ist die ausgewogene Kombination der in ihnen enthaltenen Nähr- und Vitalstoffe.
Pilze enthalten etwa 90 Prozent Wasser, zwei bis sechs Prozent Kohlenhydrate und nur geringe Mengen Fett. Ihr Eiweißgehalt liegt bei 1,5 bis 4,5 Prozent pro 100 Gramm und kann je nach Sorte bis zu 40 Prozent Rohprotein in der Trockenmasse betragen. Dieses Pilzeiweiß enthält alle acht essenziellen Aminosäuren, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann und daher von außen zugeführt bekommen muss.
Zu den Stärken der Pilze gehört auch ihr reicher Gehalt an Ballast-, Geschmacks- und Aromastoffen sowie an B-Vitaminen. Ebenso enthalten sie nur wenig Kalorien (20 bis 40 kcal pro 100 Gramm). Bemerkenswert ist außerdem auch der Gehalt an Ergosterin, einer Vorstufe von Vitamin D.
 
Pilze haben adaptogene Wirkung
Die klinische Erfahrung zeigt, dass Vitalpilze eine sehr komplexe und vielseitige Wirkungsweise haben. Im Bereich des Nervensystems können sie nicht nur eine anregende, sondern im gleichen Maße auch eine beruhigende Wirkung haben. Ausserdem hat man auch gesehen, dass der gleiche Pilz einerseits das Immunsystem anregen, aber auch ein zu aktives Immunsystem - wie es bei Allergien und Autoimmunerkrankungen der Fall ist - ausgleichen kann. Die Praxis zeigt ganz deutlich, dass Pilze eine regulierende Wirkung auf unser Körpersystem haben und somit zu den Adaptogenen gezählt werden. Immer mehr wissenschaftliche Studien bestätigen diese faszinierende Wirkungsweise.
 
Wichtige Inhaltsstoffe mit adaptogenen Eigenschaften:
  • Polyphenole (Flavonoide)
  • Terpene: Die größte Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, die den Pflanzen das Wachstum in ihrer Umgebung ermöglicht. Untergruppen hiervon sind Triterpene und Saponine. Triterpene und Saponine haben eine ähnliche Wirkung wie Glucocorticoide. Sie sind antientzündlich, leberschützend, immunsystemregulierend und nebennierenstärkend.
  • Polysaccharide (spezielle ß-Glykane): Pflanzen, die viele Polysaccharide enthalten, haben eine regulative Wirkung auf das Immunsystem, stärken die Lebensenergie und sind Qi-Tonika (Energiespender).
 
Zur Definition von Adaptogenen
Der russische Wissenschaftler Dr. Nikolai Lazarev definierte schon 1947 ein Adaptogen wie folgt:
Eine Substanz, die es dem Körper ermöglicht, gegen verschiedene physische, chemische und biologische Stressfaktoren über die Entwicklung eines unspezifischen Widerstandes vorzugehen. Dies erlaubt dem Organismus eine Anpassung (engl.: to adapt) an Umstände, in denen er besonders viel Stress ausgesetzt ist.
 
Israel I. Brekhman und Dr. I. V. Dardymov beschrieben 1968 Adaptogene noch etwas genauer:
Adaptogene bewirken eine unspezifische Antwort des Organismus auf Stress; der Körper bekommt die Kraft zu Widerstand oder Anpassung. Es wird eine Reserve an adaptogener Kraft angelegt; diese wird in akuten Stresssituationen genutzt. Im Gegen­satz zu Stimulantien wird dabei nicht die Vitalenergie der Zellen gesenkt.
Adaptogene haben einen normalisierenden Effekt auf den Körper unabhängig davon, in welche Richtung die Abweichung von der physiologischen Norm stattgefunden hat. Sie fördern die Zellintelligenz, stärken bei Unterfunktion und dämpfen bei Überfunktion. 
 
Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
 
Ihr TCM Therapeut Michael Kress
 
 
Quellen:
  • Winston, D., Maimes, S.:"Adaptogens – Herbs for Strength, Stamina and Stress Relief"; Healing Arts Press, Rochester, Vermont, 2007
  • Prof. Dr. Jan I. Lelly – Die Heilkraft der Pilze, wer Pilze isst lebt länger
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