Chinesische Medizin

Denkmodelle

Yin und Yang
Das Konzept von Yin und Yang ist wohl das bekannteste und unverwechselbarste der chinesischen Philosophie. Ursprünglich bezeichnete Yin die Schatten- und Yang die Sonnenseite eines Hügels. Sie geht aber nicht von einer starren, sondern viel mehr von relativen Gegensätzlichkeiten aus. Es sind keine festen Strukturen, sondern vielmehr dynamische Beziehungen die immer auch in Wechselbeziehungen zueinander stehen wie zum Beispiel Tag und Nacht, Erde und Himmel, Innen und Aussen oder Kälte und Wärme usw. Der Tag wird zur Nacht, und ohne den Tag gäbe es keine Nacht.

Befinden sich Yin und Yang im Körper in einem dynamischen Gleichgewicht, kann die Lebensenergie Qi frei im Körper fliessen und der Mensch ist Gesund. Krankheiten entstehen wenn die Harmonie von Yin und Yang gestört ist und daraus Blockierungen und Stauungen der Lebensenergie resultieren.

Die Behandlung zielt darauf ab, die Lebensenergie wieder zum fliessen zu bringen und so das Ungleichgewicht wieder zu harmonisieren.

Die 8 Prinzipien
Hierbei handelt es sich um ein etwas erweitertes Denkmodell von Yin und Yang und zeigt dem Therapeuten durch einfache Mittel um welches Krankheitsmuster es sich handelt und ob es sich um ein Innen- oder Aussenmuster handelt. Dieses Denkmodell ist ein Grundhilfsmittel um einfacher in komplexere Denkmodelle einzutauchen.

Fünf Wandlungsphasen
Neben der Philosophie von Yin und Yang ist die Lehre von den fünf Wandlungsphasen oder Elementen das bekannteste Konzept der chinesischen Medizin. Es handelt sich dabei um ein auf der Zahl Fünf basierendes Entsprechungssystem, mittels dessen alle Erscheinungen und Vorgänge im Kosmos, in der Natur und im Menschen zugeordnet und beschrieben werden. Der chinesische Begriff für dieses Konzept lautet Wu Xing, wobei Wu „fünf“ heisst und Xing soviel bedeutet wie „Durchgang“ oder „Bewegung“. Ob man nun von Wandlungsphasen oder Elementen spricht, wichtig ist, dass es sich hierbei sowohl um formen als auch um dynamische Vorgänge handelt. Kein anderes System bringt deutlich zum Ausdruck, wie das Verhältnis von Mensch und Natur, von Körper, Geist und Seele von den alten Chinesen gesehen wurde.

Jedes Element hat eigene spezielle Eigenschaften, welche zusammen einen harmonischen Fluss bilden und sich so ergänzen. Sie können sich aber auch kontrollieren, verachten, stärken und schwächen. Gerät ein oder mehrere dieser Elemente aus dem Gleichgewicht zeigt sich das anhand verschiedener Beschwerden im Menschlichen Körper und Geist wieder. Ziel ist es auch hier ein harmonisches Gleichgewicht der Elemente herbeizuführen.

Jede der fünf Wandlungsphasen/Elemente hat eigene, ihr zugeordnete Entsprechungen:


 

Organsystem
Das Organsystem, auch Zang Fu genannt, spielt eine Zentrale Rolle in der Chinesischen Medizin. Im Wesentlichen wird damit das funktionale Zusammenspiel der inneren Organe beschrieben. Nach den Prinzipien von Yin und Yang treten die inneren Organe als Paare(5 Zang und 6 Fu Organe) auf und werden einer der fünf Wandlungsphasen/Elemente zugeteilt. Die Organe verstehen sich aber nicht als physisch abgegrenzte Gebilde, sondern als komplette Funktionskreise, Systeme mit Körperfunktionen, zugehörigen Strukturen, Sinnesorganen, geistigen Fähigkeiten, usw.

Leitbahnsystem
Nach den Vorstellungen der chinesischen Medizin bahnt sich ein grosses Leitbahn-, Transport- oder Meridiansystem durch den Körper des Menschen, welches schon in den frühsten Klassiker der chinesischen Medizin beschrieben wurde. Auf dieses System bezieht sich sowohl die Akupunktur als auch die Kräuterheilkunde.

Im Neijing heisst es:
„Die Leitbahnen transportieren Qi und Blut, regulieren Yin und Yang, halten Sehnen und Knochen elastisch und fördern die Gelenke.“

Leitbahnen sind keinesfalls mit Blutbahnen gleichzusetzen. Sie bilden viel mehr ein unsichtbares System, das alle Grundsubstanzen (Blut, Qi, Körpersäfte, Jing) und alle Funktionskreise miteinander vernetzt.

Die Leitbahnen verlaufen nicht nur oberflächlich, sie haben auch einen inneren Verlauf und Verbinden so Inneres und Äusseres miteinander. Sie verteilen, verbinden, regulieren und schützen. Nur weil das Innere auf diese Weise mit dem Äusseren verbunden ist, können Therapiemethoden wie Akupunktur oder Akupressur überhaupt funktionieren.

Der Äussere Anteil einer Leitbahn ist besonders für den Akupunkteur wichtig. Auf diesem Teil des Verlaufs liegen sowohl nach ihren Aufgaben definierte als auch topographisch genau lokalisierbare Akupunkturpunkte.